Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV): Ein großes Problem ist, dass wir nicht so viele Plätze haben, wo man sich zum Beispiel kostenlos Trinkwasser holen kann. Der Tempelhofer Damm ist immer wieder ein Thema, dass dort aufgrund von irgendwelchen Bauarbeiten die Bäume gefällt werden sollen. Wenn man in den Nebenstraßen vom T-Damm unterwegs ist, ist es deutlich kühler. Richtung Tempelhofer Hafen fehlen Bäume entlang des T-Damms. Wir brauchen mehr Parkbänke.
Schulen sind auch nicht gut geeignet für diese Hitze. Dort staut sie sich relativ schnell und auch tagelang, nachdem die Außentemperaturen sich wieder runtergeregelt haben. Da muss sich dringend etwas verändern, weil die Kinder und die Beschäftigten in diesen Räumen lernen und arbeiten müssen. Das ist gar nicht möglich bei solchen Temperaturen.
Saskia Ellenbeck (Bündnis 90 / Die Grünen, Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg): Eine Maßnahme, die ich umsetzen will, ist, den Tempelhofer Parkfriedhof als Hitzeschutzpark zu entwickeln. Das ist ein 130.000 Quadratmeter großer Friedhof, dessen Ruhefrist Ende 2026 endet. Hier stehen sehr viele alte große Bäume, so dass die Gegend sehr schattig ist. Der Parkfriedhof hat jetzt schon eine Kühlungsfunktion für die Region Tempelhof. Wir wollen diesen Charakter erhalten und gleichzeitig einen kühlen Ort schaffen, dadurch, dass wir dort Spielplätze schaffen mit Wasserspielen, Kneippbecken, einen Klimaplatz. Wir wollen 500 Bänke im Schatten aufstellen. Solche Maßnahme können aus meiner Sicht auch eine gesamtstädtische Antwort sein.
Dann gibt es eine große politische Fragestellung wie am Tempelhofer Damm: Wie viele Bäume müssen für eine Baumaßnahme abgeholzt werden? Das hat direkte Klimaauswirkungen für die Menschen, die dort leben. Nicht nur jetzt, sondern auch in den nächsten 30 Jahren, weil selbst die Nachpflanzungen lange brauchen werden, bis sie diesen ökologischen Klima- oder Hitzeschutzwert erreichen. Wir müssen unsere Grünanlagen klimaresilient umbauen. An manchen Stellen brauchen wir dafür Beregnungsanlagen. Aber wir müssen auch mit der Ressource Wasser zukünftig anders umgehen. Das heißt, wir müssen Konzepte entwickeln, damit Regenwasser, was auf Dächer fällt, nicht in die Kanalisation kommt, sondern für Parks genutzt werden kann. Das sind die großen Themen für Hitzeschutz und Klimaanpassung.
Es ist die große politische Aufgabe, diesem Thema auch finanziell die Bedeutung zuzumessen. Gleichzeitig will ich auch einfache Maßnahmen umsetzen, die man mit wenig Geld machen kann,wie Baumscheibenerweiterungen.
Meine Aufgabe bei dem Thema sehe ich zudem darin, Bäume so zu pflanzen, dass sie möglichst Gebäude verschatten. Das ist ja die beste Klimaanlage, die keinen Strom braucht, sondern einfach Schatten produziert. Dabei ist es wichtig, dass wir keine Bebauungspläne zulassen, in denen zum Beispiel keine Straßenbäume vorgesehen sind.
Marijke Höppner (SPD, Bürgermeisterkandidatin für Tempelhof-Schöneberg): Es gibt mehrere Ansätze, zum Beispiel Sprühnebelstationen und Stadtgärten. Es macht in jedem Fall Sinn zu entsiegeln und zu gucken, wie man stärker begrünt, mehr Bäume pflanzt, mehr Schatten spendet.
Unsere Parks sind nicht gewappnet für die Klimaentwicklung. Wir müssen gucken, wie man diese Anlagen bewässert, ob man unterirdische oder überirdische Zisternen anlegt, wie man Bewässerungssysteme schafft mit einem guten Tröpfelbewässerungssystem und Regenrückhaltebecken.
Melanie Kühnemann-Grunow (SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Wir müssen diese Stadt umbauen. Und vor allem Bäume pflanzen. Das Land Berlin hat im Wesentlichen die Forderungen des Baumentscheids übernommen. Das heißt, wir werden massiv Bäume pflanzen in der Stadt, wir müssen Flächen entsiegeln. Aber wir müssen neben dem Grün auch immer die blaue Infrastruktur berücksichtigen. Das heißt, so zu investieren und zu bauen, dass wir beispielsweise Regenwasser, Starkregen und so weiter auffangen und später wieder an die Stadt abgeben können.
Es muss auch ein Netz der Kühlung geben. Zum Beispiel sollten Bibliotheken, die Klimaanlagen haben, geöffnet werden. Alten- und Pflegeheime, Schulen, Kitas sind nicht auf Hitze vorbereitet. Wir müssen die Infrastruktur für vulnerable Gruppen verbessern. Sowohl für kleine Kinder als auch für ältere Menschen.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Wegen der Überhitzung auf dem Tempelhofer Feld haben wir einen riesengroßen Nachholbedarf. Dazu kommt, dass am Platz der Luftbrücke wegen der Sanierung knapp 200 Bäumen gefällt werden müssen. Die Senatsverwaltung für Umwelt hat ausgerechnet hat, dass dort circa 60.000 Kraftfahrzeuge unterwegs sind. Die müssten, wenn die Bäume bleiben, über Schöneberg umgeleitet werden und würden zusätzlich CO2 ausstoßen. Deswegen hat man sich entschieden, und dafür bin ich sehr dankbar, eine Zwei-Zwei-Spuren-Lösung zu machen. Außerdem hat man die Überlebenschancen der Bäume, würde man sie stehen lassen, ausgerechnet. Und die Prognose war eher bescheiden, um’s mal auf gut Deutsch zu sagen.
Die Bauzeit sind ja ungefähr zehn Jahre. Wir wollen hinterher dort Bäume ansiedeln, sie mehr Schatten bieten und hitzeresistenter sind. Die Bepflanzung ist Teil des Bebauungsplans. Wir müssen das Bäume-plus-Gesetz noch mal prüfen, ob man die Baumdichte nicht noch erhöhen kann.
Aferdita Suka (Bündnis 90 / Die Grünen, Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus): Unsere Pflegeeinrichtungen sind kaum auf Hitze eingestellt, es fehlen vor allem Klimaanlagen. Ein Förderprogramm für diesen Bereich fände ich sinnvoll.
Wir haben die Vertreter*innen von vier Parteien befragt, wie sie zu drängenden Themen im Kiez stehen. Ihre Antworten veröffentlichen wir unkommentiert, damit ihr euch ein eigenes Bild machen könnt.
Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV Tempelhof-Schöneberg): Bezahlbarer Wohnraum heißt für mich, dass Menschen keine Angst haben müssen, sich ihre eigene Wohnung irgendwann nicht mehr leisten zu können. Nach der Miete muss noch genug Geld da sein, um sein Leben bestreiten zu können. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf kein Spekulationsobjekt sein.
Wir brauchen in Berlin neuen Wohnraum, aber eben Wohnraum, den sich die Menschen leisten können. Es bringt uns wenig, wenn am Ende teure Wohnungen oder möbliertes Wohnen auf Zeit entstehen. Wir brauchen mehr kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbau und einen deutlich höheren Anteil an geförderten Wohnungen.
Gleichzeitig müssen wir den vorhandenen Wohnraum besser nutzen und schützen. Dazu gehört für mich, konsequent gegen spekulativen Leerstand und Zweckentfremdung vorzugehen und zu prüfen, wo leerstehende Büro- oder Gewerberäume zu Wohnraum umgebaut werden können. Und wir müssen bestehenden bezahlbaren Wohnraum erhalten und Menschen vor Verdrängung schützen. Dazu gehört für mich auch, den Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne endlich umzusetzen.
Saskia Ellenbeck (Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg, Bündnis 90 / Die Grünen): Ich finde es absolut falsch, dass durch das neue Gebäudeenergiegesetz die Rechte der Mieter geschwächt werden.
Melanie Kühnemann-Grunow (Mitglied des Abgeordnetenhauses, SPD): Wohnraum, der sich auf jeden Fall unterhalb eines Quadratmeterpreises von zehn Euro inklusive Betriebskosten bewegt.
Wir müssen also mehr und preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen. Das heißt, wir müssen bauen. Wir sind der Meinung, dass es dann schon eine Entlastung gibt. Wir müssen aber auch Mieten deckeln. Und wir müssen uns mit dem Entscheid, große Wohnkonzerne zu enteignen, auseinandersetzen. Das prüfen wir gerade rechtlich. Ich bin dem gar nicht abgeneigt.
Wir müssen auch über die Aufstockung von Gebäuden reden, von Nachverdichtung. Aber was ich auch sehe, ist der immense Leerstand, beispielsweise bei Bürogebäuden. Warum sollte man Bürogebäude nicht umnutzen können?
Auch das Wenckebach-Krankenhaus steht weitgehend leer. Das gehört der öffentlichen Hand beziehungsweise zum Vivantes-Konzern. Ich wünsche mir für den Wenckebach-Campus auch eine medizinische Nutzung. Ob man einen Campus in dieser Größe braucht, bin ich mir unsicher. Ich könnte mir für die teilweise wirklich hübschen Gebäude eine Umwidmung und Wohnnutzung vorstellen.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Wir haben ja schon einiges gemacht, indem wir das Schneller-Bauen-Gesetz verabschiedet haben, wo wir viele Regularien eingeführt haben, die das Bauen betreffen und auch die Beschleunigung der Baugenehmigungen.
Was wir nicht so genau steuern können, sind die Baukosten. Baustoffe haben sich in den letzten fünf Jahren teilweise verdoppelt.
Ich favorisiere Genossenschaften, weil die in ihrer Kalkulation eine längere Nutzungsdauer haben. Das Ziel muss sein, nicht mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für Miete auszugeben.
Aferdita Suka (Direktkandidatin für Bündnis 90 / Die Grünen): Ich glaube, dass wir verschiedene Instrumente gleichzeitig angehen müssen: Mietwucher bekämpfen, einen bundesweiten Mietendeckel ermöglichen und die Mietpreisbremse konsequent anwenden und durchsetzen. Das ist die regulative Seite. Aber selbstverständlich brauchen wir auch neuen bezahlbaren Wohnraum – vor allem mehr gemeinwohlorientierten und genossenschaftlichen Wohnungsbau. Und wir müssen zugleich schneller bauen können.
Außerdem gibt es leerstehende Büroflächen, die sich teilweise in Wohnungen umwandeln lassen. Auch gegen länger leerstehenden Wohnraum müssen wir konsequenter vorgehen. Ich habe den Eindruck, dass es mehr Leerstand gibt, als wir tatsächlich erfassen und kommunizieren. Und wir sollten stärker nachverdichten und bereits versiegelte Flächen nutzen, statt immer neue Grünflächen zu bebauen.
Entscheidend ist für mich: Wohnraum muss für unterschiedliche Einkommensgruppen bezahlbar sein. Wenn ein Haushalt deutlich mehr als ein Drittel seines Nettoeinkommens für die Miete aufbringen muss, ist das für mich nicht mehr bezahlbar.
Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV Tempelhof-Schöneberg): Also den Stand aktuell kenne ich leider noch nicht. Ich würde auf jeden Fall sehr fördern, dass es dort gemeinschaftliche Projekte gibt, also ein Schwimmbad für alle mit guten Öffnungszeiten, eine größere Bibliothek, Gemeinschaftsräume, die man an Initiativen vergeben kann, sei es für sportliche Begegnungen oder Kurse für Kinder, für Seniorinnen, vielleicht Empowerment-Räume.
Saskia Ellenbeck (Bündnis 90 / Die Grünen, Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg): Die Neue Mitte Tempelhof soll ein klimaneutrales Quartier werden. Aber bei der bisherigen Investitionsplanung war kein Geld für den Bau vorgesehen. Die Wohnungen werden von „Stadt und Land“ gebaut werden, aber für das Rathaus und die Kulturbaustellen muss das Land Berlin die Haushaltsvorsorge treffen.
Marijke Höppner (SPD, Bürgermeisterkandidatin für Tempelhof-Schöneberg): Die Neue Mitte Tempelhof kommt in jedem Fall nach dem Prinzip der Rochade. Eigentlich war Geld eingestellt, damit die Polizei schon starten konnte, das müsste auch zeitnah passieren. Der Prozess hängt ein bisschen. Wir warten auf das Geld vom Abgeordnetenhaus, dann wird das Stück für Stück umgesetzt.
Wir brauchen vor allem diesen Kulturbaustein, weil die Eva-Maria-Buch-Bibliothek neue Räume braucht. Es tropft durchs Dach, das ist alles nicht stabil. Also die, die muss auch angegangen werden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt starten bis zu diesem Kulturbaustein. Denn wir haben gemerkt, in Lichtenrade bei der Alten Mälzerei, was das für einen Unterschied macht, wenn man so einen Standort aufmotzt und wiederbelebt, wie viele Leute da hinkommen.
Melanie Kühnemann-Grunow (SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Mir ist wichtig, dass es ein großes Kulturangebot gibt. Das heißt Raum für die bezirklichen Institutionen wie Musikschule, Volkshochschule. Mir ist wichtig, dass es für Tempelhof auch einen Ort der Begegnung gibt. So etwas wie einen Allmendesaal, den Bürgerinnen und Bürger nutzen können, zum Beispiel für Treffen oder Bürgerinitiativen oder für andere Aktive.
Die ganze Kultur soll am Tempelhofer Damm sichtbar sein, mit dem Neubau der Eva-Maria-Buch-Bibliothek, damit es wirklich ein Kulturstadtzentrum für den ganzen Ortsteil wird.
Der Wohnungsbau beginnt jetzt, spätestens 2028 sollen die Wohnungen errichtet sein. Die Gelder werden bereitgestellt vom Land Berlin und vom Bezirk. Was wir definitiv nicht wollen, sind Eigentumswohnungen. Wir haben uns gewünscht, dass die Hälfte der Wohnungen an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vergeben werden. Mindestens 30 Prozent.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Das habe ja nicht ich in der Verantwortung. Das ist im Bezirksbereich. Soweit ich unsere Stadträtin verstanden habe, haben wir die Finanzierung bekommen. Ich bin sehr froh drüber, dass wir das Polizeirevier als erstes finanzieren können, der Baubeginn soll 2028 sein. Danach wird es mit dem Schwimmbad losgehen. Wie es mit der Rochade weitergeht, müssen wir unsere Bezirksstadträte fragen.
Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV): Wir haben großen Leerstand. Gewerberäume werden oft nicht genutzt, Büroräume, die man zu Wohnungen umwandeln sollte, aber auch spekulativer Leerstand, den es gibt damit man die Preise künstlich hochtreiben kann. Die Strukturen müssen sich verbessern, sodass man dem auch nachgehen kann und Konsequenzen folgen lassen kann.
Zum Tempelhofer Feld muss man nicht viel sagen. Es gab einen Volksentscheid, die Menschen haben dagegen gestimmt, dass es bebaut wird. Das muss man tolerieren und respektieren. Dementsprechend sind wir klar dagegen, dass irgendeine Bebauung stattfindet. Das Feld soll offen bleiben für die Menschen.
Saskia Ellenbeck (Bündnis 90 / Die Grünen, Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg): Auf dem Feld Wohnungen zu bauen, löst aus meiner Sicht nicht das Problem von bezahlbarem Wohnraum. Denn zum Bauen muss man ja noch die Erschließungskosten hinzurechnen: Straßen, Beleuchtung, Kanalisation, alles, was dazu gehört, und der Boden unterm Feld ist bekanntlich sehr belastet. Die anderen Flächen sind ja schon erschlossen. Das Tempelhofer Feld aber nicht. Und eine Erschließung ist wahnsinnig teuer.
Marijke Höppner (SPD, Bürgermeisterkandidatin für Tempelhof-Schöneberg): Es gibt eine Bezirksmaßnahme, SIKO, bei der Drohnen über den gesamten Bezirk fliegen und Freiflächen kartieren. Dann wird recherchiert, ob es private oder öffentliche Flächen sind, und dann wird geschaut, welche Chancen man für diese Flächen sieht und wie man damit weiter umgehen kann.
Es gibt den Standort Schätzelberg, der eine Art Inklusionscampus beinhalten soll. Der zweite Standort ist der HOGA-Ausbildungscampus südlich der Marienhöhe. Da werden junge Menschen im Bereich Hotel und Gastgewerbe ausgebildet und können dort auch wohnen, also Azubi-Wohnen.
Melanie Kühnemann-Grunow (SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Die Bebauung des Tempelhofer Feldes sehe ich gar nicht. Da haben wir uns ganz deutlich positioniert. Wenn man sich mehr mit dem Feld beschäftigt, mit der Nutzung, der Akzeptanz und dem, dass es sich mit den Volksentscheid um eine Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger für dieses Feld gehandelt hat, dann darf man das nicht anfassen. Ich glaube aber, wir müssen es entwickeln, wir brauchen Schatten, wir brauchen Bänke.
Wir brauchen keine Randbebauung, wir haben in der Stadt Wohnungsbaupotenziale für circa 200.000 Wohnungen. Für 50.000 Wohnungen sind die Grundstücke in öffentlicher Hand, für 150.000 Wohnungen in privater Hand. Das ist nicht alles in Tempelhof-Schöneberg, in unserem Kiez.
Tempelhof wächst wenig und langsam, weil wir wenig Freiflächen haben, sondern viel Gewerbe und Industrie. Da muss man gucken, ob man etwas umwidmen kann.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Ich bin für eine Bebauung beziehungsweise eine Entwicklung des Tempelhofer Feldes. Allerdings ist mir bewusst, dass wir in unserer Landesverfassung geregelt haben, dass es Volksbegehren gibt. 2014 gab es eins, und das hat sich so entschieden. Insofern ist für mich ganz klar, dass, wenn wir über Bebauung reden, vorher die Berlinerinnen und Berliner noch mal befragt werden müssen.
Wofür ich mich einsetze und was auch die Idee der CDU ist, dort einen Tiergarten 2.0 zu entwickeln. Das Feld ist oft der heißeste Ort in Berlin. Deshalb bin ich der Meinung, dass wenn wir dort Bäume pflanzen müssen. Das Feld erhitzt sich sehr stark. Tagsüber ist der Aufenthalt dort sehr unangenehm. Nachts fällt die Temperatur deutlich schneller als innerhalb der Stadt. Dieser Effekt ist lokal sehr eingegrenzt, er betrifft nur die anliegenden Häuser.
Bei der Bepflanzung mit Bäumen hat man einen anderen Effekt. Bäume transpirieren Wasser, dadurch wird es allgemein kühler. Natürlich dauert es ungefähr 15 Jahre, bis die Bäume so weit sind. Und wir brauchen Baumarten, die hitzeresistenter sind und eventuell mehr Schatten spenden.
Aferdita Suka (Bündnis 90 / Die Grünen, Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus): Wir haben landesweit ausgewiesene Bauflächenpotenziale für über 240.000 Wohnungen. Es mangelt nicht an Flächen.
Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV): Ein großes Problem ist, dass wir nicht so viele Plätze haben, wo man sich zum Beispiel kostenlos Trinkwasser holen kann. Der Tempelhofer Damm ist immer wieder ein Thema, dass dort aufgrund von irgendwelchen Bauarbeiten die Bäume gefällt werden sollen. Wenn man in den Nebenstraßen vom T-Damm unterwegs ist, ist es deutlich kühler. Richtung Tempelhofer Hafen fehlen Bäume entlang des T-Damms. Wir brauchen mehr Parkbänke.
Schulen sind auch nicht gut geeignet für diese Hitze. Dort staut sie sich relativ schnell und auch tagelang, nachdem die Außentemperaturen sich wieder runtergeregelt haben. Da muss sich dringend etwas verändern, weil die Kinder und die Beschäftigten in diesen Räumen lernen und arbeiten müssen. Das ist gar nicht möglich bei solchen Temperaturen.
Saskia Ellenbeck (Bündnis 90 / Die Grünen, Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg): Eine Maßnahme, die ich umsetzen will, ist, den Tempelhofer Parkfriedhof als Hitzeschutzpark zu entwickeln. Das ist ein 130.000 Quadratmeter großer Friedhof, dessen Ruhefrist Ende 2026 endet. Hier stehen sehr viele alte große Bäume, so dass die Gegend sehr schattig ist. Der Parkfriedhof hat jetzt schon eine Kühlungsfunktion für die Region Tempelhof. Wir wollen diesen Charakter erhalten und gleichzeitig einen kühlen Ort schaffen, dadurch, dass wir dort Spielplätze schaffen mit Wasserspielen, Kneippbecken, einen Klimaplatz. Wir wollen 500 Bänke im Schatten aufstellen. Solche Maßnahme können aus meiner Sicht auch eine gesamtstädtische Antwort sein.
Dann gibt es eine große politische Fragestellung wie am Tempelhofer Damm: Wie viele Bäume müssen für eine Baumaßnahme abgeholzt werden? Das hat direkte Klimaauswirkungen für die Menschen, die dort leben. Nicht nur jetzt, sondern auch in den nächsten 30 Jahren, weil selbst die Nachpflanzungen lange brauchen werden, bis sie diesen ökologischen Klima- oder Hitzeschutzwert erreichen. Wir müssen unsere Grünanlagen klimaresilient umbauen. An manchen Stellen brauchen wir dafür Beregnungsanlagen. Aber wir müssen auch mit der Ressource Wasser zukünftig anders umgehen. Das heißt, wir müssen Konzepte entwickeln, damit Regenwasser, was auf Dächer fällt, nicht in die Kanalisation kommt, sondern für Parks genutzt werden kann. Das sind die großen Themen für Hitzeschutz und Klimaanpassung.
Es ist die große politische Aufgabe, diesem Thema auch finanziell die Bedeutung zuzumessen. Gleichzeitig will ich auch einfache Maßnahmen umsetzen, die man mit wenig Geld machen kann,wie Baumscheibenerweiterungen.
Meine Aufgabe bei dem Thema sehe ich zudem darin, Bäume so zu pflanzen, dass sie möglichst Gebäude verschatten. Das ist ja die beste Klimaanlage, die keinen Strom braucht, sondern einfach Schatten produziert. Dabei ist es wichtig, dass wir keine Bebauungspläne zulassen, in denen zum Beispiel keine Straßenbäume vorgesehen sind.
Marijke Höppner (SPD, Bürgermeisterkandidatin für Tempelhof-Schöneberg): Es gibt mehrere Ansätze, zum Beispiel Sprühnebelstationen und Stadtgärten. Es macht in jedem Fall Sinn zu entsiegeln und zu gucken, wie man stärker begrünt, mehr Bäume pflanzt, mehr Schatten spendet.
Unsere Parks sind nicht gewappnet für die Klimaentwicklung. Wir müssen gucken, wie man diese Anlagen bewässert, ob man unterirdische oder überirdische Zisternen anlegt, wie man Bewässerungssysteme schafft mit einem guten Tröpfelbewässerungssystem und Regenrückhaltebecken.
Melanie Kühnemann-Grunow (SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Wir müssen diese Stadt umbauen. Und vor allem Bäume pflanzen. Das Land Berlin hat im Wesentlichen die Forderungen des Baumentscheids übernommen. Das heißt, wir werden massiv Bäume pflanzen in der Stadt, wir müssen Flächen entsiegeln. Aber wir müssen neben dem Grün auch immer die blaue Infrastruktur berücksichtigen. Das heißt, so zu investieren und zu bauen, dass wir beispielsweise Regenwasser, Starkregen und so weiter auffangen und später wieder an die Stadt abgeben können.
Es muss auch ein Netz der Kühlung geben. Zum Beispiel sollten Bibliotheken, die Klimaanlagen haben, geöffnet werden. Alten- und Pflegeheime, Schulen, Kitas sind nicht auf Hitze vorbereitet. Wir müssen die Infrastruktur für vulnerable Gruppen verbessern. Sowohl für kleine Kinder als auch für ältere Menschen.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Wegen der Überhitzung auf dem Tempelhofer Feld haben wir einen riesengroßen Nachholbedarf. Dazu kommt, dass am Platz der Luftbrücke wegen der Sanierung knapp 200 Bäumen gefällt werden müssen. Die Senatsverwaltung für Umwelt hat ausgerechnet hat, dass dort circa 60.000 Kraftfahrzeuge unterwegs sind. Die müssten, wenn die Bäume bleiben, über Schöneberg umgeleitet werden und würden zusätzlich CO2 ausstoßen. Deswegen hat man sich entschieden, und dafür bin ich sehr dankbar, eine Zwei-Zwei-Spuren-Lösung zu machen. Außerdem hat man die Überlebenschancen der Bäume, würde man sie stehen lassen, ausgerechnet. Und die Prognose war eher bescheiden, um’s mal auf gut Deutsch zu sagen.
Die Bauzeit sind ja ungefähr zehn Jahre. Wir wollen hinterher dort Bäume ansiedeln, sie mehr Schatten bieten und hitzeresistenter sind. Die Bepflanzung ist Teil des Bebauungsplans. Wir müssen das Bäume-plus-Gesetz noch mal prüfen, ob man die Baumdichte nicht noch erhöhen kann.
Aferdita Suka (Bündnis 90 / Die Grünen, Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus): Unsere Pflegeeinrichtungen sind kaum auf Hitze eingestellt, es fehlen vor allem Klimaanlagen. Ein Förderprogramm für diesen Bereich fände ich sinnvoll.
Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV): Gerade auf der Hauptstraße reicht Tempo 30 vollkommen. Man muss gucken, dass alle bedacht werden: Sowohl Fußgängerinnen als auch Fahrradfahrerinnen. Auch Menschen, die beeinträchtigt sind oder aufgrund des Alters länger brauchen, um über die Straße zu kommen. Die Ampelschaltungen sind für Fußgängerinnen relativ kurz. Das ist ein großes Problem. Das ist auch ein Risiko. Wir müssen Geschwindigkeitsüberschreitungen konsequent kontrollieren und ahnden.
Marijke Höppner (SPD, Bürgermeisterkandidatin für Tempelhof-Schöneberg): Richtig viel würde es bringen, wenn wir Schwerpunktkontrollen hätten, verstärkt mit der Polizei. Das stoppt die Leute am ehesten. Stationäre Blitzer sind sehr rar. Oder man macht es wie in Paris, dort wird mit Akustikblitzern gearbeitet. Da hört man, wenn Autofahrer ihre Autos aufmuskeln. Dadurch kann man ermitteln, dass sie schneller fahren und wie hoch die Lärmbelastungen in einzelnen Straßen sind. Das wurde mal am Ku’damm erprobt und daraus abgeleitet, was das für Lärmbelastung, Gestaltung der Straßen und so weiter bedeuten kann. Das würde ich mir am Tempelhofer Damm und weiter nach Süden wünschen.
Melanie Kühnemann-Grunow (SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Tempo 30 unbedingt. Man kommt sicher ans Ziel, man ist keine Gefährdung für sein Umfeld. Und es ist weniger Lärm. Zu Beginn der Rot-Grün-Rot-Legislatur haben wir ein Mobilitätsgesetz verabschiedet, in dem wir auch den Fußverkehr berücksichtigt haben. Das ist ein heißes Thema. Aber es gibt ganz viele Menschen, die sich hauptsächlich zu Fuß fortbewegen, und die müssen sich genauso sicher fühlen können.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Eine Studie der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr hat ergeben, dass die Luft so gut ist, dass es nicht mehr vonnöten ist, die Luftreinhaltung zu machen. Ich bin der Meinung, auf dieser Bundesstraße muss ein Verkehrsfluss gegeben sein. Auf einer Wegstrecke, die man mit 50 km/h bewältigt, können mehr Autos ohne Stau durchkommen als bei Tempo 30. Wir sehen Tempo 50 als Geschwindigkeit grundsätzlich an, abgesehen von Schulen, Krankenhäusern, Seniorenheimen, Kindergärten. Aber dort, wo es die Straßengegebenheiten hergeben, ist Tempo 50 für uns ausschlaggebend.
Aferdita Suka (Bündnis 90 / Die Grünen, Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus): Für die Bürgerinnen und Bürger ist es ziemlich schwer nachzuvollziehen, dass das Tempolimit ständig gewechselt wird. Wir setzen uns grundsätzlich für mehr Tempo 30 ein. Gerade auch mit Blick darauf, dass Tempo 50 nichts gebracht hat. Der Durchgangsverkehr ist nicht schneller geworden. Wir wollen Tempo 30, um die Bedürfnisse von Fußgänger*innen, Kinder, Ältere, Fahrradfahrende und alle anderen Verkehrsteilnehmenden zu berücksichtigen. Nicht um die Autofahrerinnen und Autofahrer zu ärgern.
Maja Jamal Eddine (Die Linke, Direktkandidatin für die BVV): Wenn man sich den T-Damm anguckt, sind es oft Läden, die sich entweder ähnlich sind oder das Gleiche verkaufen. Oder es gibt sehr große Läden, zum Beispiel im alten Karstadtgebäude. Das fördert aber keine kleinen Läden. Die ja bereichernd für die Menschen hier wären. Ich glaube, dass es wichtig ist, diese Vielfalt im Kiez zu erhalten und zu fördern.
Die Mieten sind viel zu hoch. Wir als Linke setzen uns dafür ein, Mietwucher konsequent zu verfolgen und dafür zu sorgen, dass Mieter*innen unkompliziert Unterstützung und Beratung bekommen.
Saskia Ellenbeck (Bündnis 90 / Die Grünen, Bezirksstadträtin Tempelhof-Schöneberg): Wir müssen die Aufenthaltsqualität steigern, also dass es auch nett ist vor dem Laden. Ich setze mich dafür ein, dass die Gehwege nicht weiter verkleinert werden. Das heißt, nicht weiter in eine „autogerechte Stadt“ zu planen, sondern mehr Grün und mehr Platz für Menschen zu schaffen.
Marijke Höppner (SPD, Bürgermeisterkandidatin für Tempelhof-Schöneberg): Die Gewerbemieten steigen ins Unermessliche. Das kann sich kaum noch jemand leisten. Es gibt aus Berlin eine Bundesratsinitiative für einen Gewerbemietendeckel. Der liegt allerdings im Bundesrat in der Schublade und wird nicht weiterbearbeitet, weil die anderen Bundesländer dieses Problem nicht sehen. Wenn man jetzt nicht anfängt, die Bundestagsabgeordneten in den jeweiligen Ausschüssen anzuschreiben oder im Bundesrat die anderen Länder zu überzeugen, wird es schwierig. Oder mal auf die Straße gehen als Gewerbetreibende. Es trifft ja nicht nur Gewerbetreibende, sondern auch viele soziale Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Kitas.
Melanie Kühnemann-Grunow (SPD, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Das ist ein wirklich schwieriges Thema. Es liegt auch an uns allen. Der Onlinehandel floriert, während der stationäre Handel Probleme hat. Wir haben ein riesen Warenhaussterben in der Stadt und keine großen Kaufhäuser mehr. Die Gewerbemieten sind zu hoch. Wenn ich als kleine Einzelhändlerin so exorbitante Mieten zu stemmen habe, lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Die Mieten hier am T-Damm, man glaubt es nicht, aber es ist wirklich teuer. Deswegen setzen wir uns für einen Mietendeckel auch für den Gewerbemarkt ein, für den Einzelhandel vor Ort.
Frank Luhmann (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses): Ich komme aus dem Einzelhandel. Daher kenne ich das Thema vieler Kunden: die Frage nach Parkplätzen. Ein attraktives Gewerbelokal hat in der Nähe immer auch Parkplätze. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass zwischen Ullsteinhaus und U-Bahnhof Alt-Tempelhof wieder Kurzzeitparkplätze eingerichtet werden. Sie machen Gewerbestandorte attraktiver und führen hoffentlich dazu, dass dort wieder Geschäfte sich ansiedeln möchten.
Wir möchten den Radverkehr am liebsten durch die Seitenstraße führen. Das ist auch Beschlusslage in der BVV.
Mir geht darum, dass die Mieten nicht so hochgetrieben werden, dass Leute verdrängt werden. Aber das Geschäftsmodell selber muss laufen, dafür sind die Unternehmer Unternehmer.
Aferdita Suka (Bündnis 90 / Die Grünen, Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus): Es sind kleinere Läden, oft Gastronomie, die sich hohe Mieten nicht leisten können. Deswegen setzen wir uns für eine Mietpreisbremse auch für Gewerbe ein. Ich glaube, dass langfristig der T-Damm ganz andere Förderung braucht und eine lange Perspektive.
Das Wenckebach-Krankenhaus steht weitgehend leer. Und über diesen Leerstand herrscht ziemliche Intransparenz. Ich setze mich mit anderen für mehr Transparenz ein. Und will als Parlamentarierin das Wenckebach als Gesundheitsstandort voranbringen. Kurzfristig müssen wir den Leerstand sinnvoll nutzen, mittel- und langfristig kann ich mir dort ein Bildungs- und Gesundheitscampus sehr gut vorstellen.
Leider nicht geantwortet hat Matthias Steuckardt (CDU, Stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat in Tempelhof-Schöneberg). Die Direktkandidatin der Partei Die Linke, Sarah Bremer, konnte wegen Krankheit nicht antworten.